ERFAHRUNGEN MIT DEM HOFFMAN‐QUADRINITY-PROZESS

Langzeit-Verhaltenstherapie von Inga Großmann

Diplomarbeit über die Wirksamkeit des 8-tägigen Hoffman-Quadrinity-Prozesses im Vergleich mit einer Langzeit-Verhaltenstherapie von Inga Großmann, Humboldt Universität Berlin (2010)

Im Ergebnis schneidet die Hoffman-Quadrinity-Gruppe in vielen Variablen signifikant besser ab als die Langzeit-Verhaltenstherapiegruppe.

Zusammenfassung der Diplomarbeit:

Ist eine Schematherapie innerhalb von 8 Tagen, genannt Hoffman-Quadrinity-Prozess (HQP oder HP), im Vergleich zur Verhaltenstherapie wirksam?

Der Hoffman-Quadrinity-Prozess (HQP oder HP) als geraffte Form der Schematherapie, wurde auf Wirkeffekte geprüft für psychische Störungen und Persönlichkeitsstörungen durch Selbst- und Fremdeinschätzungsinstrumente (SCL-90-R, BDI-II, FLZ, SKID-Screenings und Interviews). In diesen wurde der prä-post-Verlauf zwischen der Interventionsgruppe (HQP-Teilnehmern), einer Wartekontrollgruppe und einer Interventionskontrollgruppe (Teilnehmer einer 50-Stunden-Verhaltenstherapie) verglichen. Für die Achse der psychischen Störungen kamen im prä-post-Vergleich innerhalb der Interventionsgruppe in allen Fragebögen signifikante Gesundungseffekte mit durchweg hohen Effektstärken zustande, sodass sich die HQP-Teilnehmer 3 Monate nach der 8-tägigen Intervention in ihren Werten nicht mehr wie vorher von der gesunden Normalpopulation unterschieden.

Im Gruppenvergleich traten in der Interventionsgruppe größere Verbesserungen als in der Wartekontrollgruppe innerhalb von 3 Monaten (durchweg hohe Unterschiedseffektstärken) auf. In vielen Variablen zeigte die Interventionsgruppe sogar signifikant größere Effekte nach 3 Monaten als die Verhaltenstherapiegruppe nach 10-15 Monaten (mittlere bis hohe Unter- schiedseffektstärken). In keinem Gesundungseffekt schneidet die Interventionsgruppe nach 3 Monaten schlechter ab als die Verhaltenstherapiegruppe nach 10-15 Monaten.

In der Fremdeinschätzung gibt es nicht nur einen großen Effekt für die Abnahme von depressiven Störungen innerhalb der HQP-Teilnehmer, sondern sogar für Persönlichkeitsstörungen: 94% der prä-diagnostizierten, depressiven Erkrankungen und 41% der Diagnosen zu Persönlichkeitsstörungen sanken zu post unter die Diagnoseschwelle. Die HQP-Teilnehmer gaben außerdem nach 3 Monaten signifikant weniger selbstberichtete Symptome in den Screeningfragebögen zu Persönlichkeitsstörungssymptomen an als die Wartekontrollgruppe (mittlere Unterschiedseffektstärken). In der Verhaltenstherapieinterventionsgruppe wurde Achse-II nicht untersucht.

Die Ergebnisse geben ein stichhaltiges Indiz dafür, dass der HQP trotz Verfahrenskürze als geraffte Form der Schematherapie die Besserung und Gesundung von psychischen und Persönlichkeitsstörungen erwirkt. Diesbezüglich sollte im Interesse des Gesundheitssystems zur Entlastung des finanziellen Haushaltes und der steigenden Zahl psychischer Erkrankungen sowie damit einhergehender Kosten eine weitere, methodisch allen Ansprüchen genügende Studie durchgeführt werden. Bei Bestätigung der in vorliegender Studie gefundenen Effekte, besonders für depressive Erkrankungen und Persönlichkeitsstörungen, sollte die sozialrechtliche Anerkennung des HQP für diese Indikation und eine Finanzierung von mehr Therapiestunden für die Schematherapie pro Woche in Erwägung gezogen werden.

 

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